Lipödem – Anzeichen, Ursachen, Behandlung

Was ist ein Lipödem?

Bei einem Lipödem ist die Fettverteilung chronisch gestört. Das Unterhautfettgewebe vermehrt sich krankhaft und meist an Beinen, Hüfte und Po, weshalb ein Lipödem umgangssprachlich auch als „Reiterhosen“ bekannt ist. Manchmal tritt ein Lipödem aber auch an den Armen auf.

Die Fettansammlungen entstehen, wenn sich die Fettzellen krankhaft vergrößern. Das heißt, bei einem Lipödem handelt es sich um eine Erkrankung, nicht um Übergewicht durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung.

Woran kann man ein Lipödem erkennen?

Ein Lipödem kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Nicht alle Symptome treten immer (gleichzeitig) auf.

Konfektionsgröße: Ein erstes Anzeichen kann sein, wenn die Konfektionsgröße von Hosen deutlich über der für Pullover, Blusen und anderer Oberbekleidung liegt, da sich die Fettzellen bei Lipödem meist im Beinbereich vermehren.

Schwellung: Des Weiteren schwellen die vom Lipödem betroffenen Körperregionen sichtbar und schmerzhaft an. Anders als bei einer normalen Gewichtszunahme, vermehrt sich das Fettgewebe beidseitig und auf Beine bzw. Arme beschränkt. Nicht betroffene Extremitäten, Rumpf, Gesicht, Füße und Hände bleiben unverändert schlank. Und: Das Fettgewebe lässt sich nicht durch eine Diät oder durch Sport reduzieren.

Flüssigkeitseinlagerungen: Oft lagert sich Flüssigkeit in den betroffenen Körperregionen ein. Meist ist das in der zweiten Tageshälfte der Fall, was sich unter anderem in müden, schweren und geschwollenen Beinen bemerkbar macht.

Druck- und Spannungsgefühl: Durch die erhöhte Fettansammlung und die Flüssigkeitseinlagerung verspüren Lipödem-Patientinnen ein unangenehmes Druck- und Spannungsgefühl. Über den Tag hinweg verschlimmern sich die Schmerzen oft – und auch im Verlauf der Erkrankung können die Schmerzen zunehmen.

Blaue Flecken und Co.: Darüber hinaus kann eine Neigung zu Besenreisern und blauen Flecken ein Lipödem-Anzeichen sein.

Was sind die Ursachen für ein Lipödem?

Die Gründe für die gestörte Fettverteilung sind bis dato nicht bekannt. Laut aktuellem Stand der Wissenschaft kommen jedoch verschiedene Ursachen für ein Lipödem in Frage, zum Beispiel:

  • Hormonelle Störungen: vor allem des weiblichen Sexualhormons Östrogen, da hauptsächlich Frauen in Phasen hormoneller Umstellung (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) betroffen sind
  • Genetische Veranlagung: Oft treten innerhalb einer Familie mehrere Fälle auf (familiäre Häufung).

Adipositas, also starkes Übergewicht bzw. Fettleibigkeit, ist hingegen keine Lipödem-Ursache. Das Körpergewicht spielt hier keine Rolle, es kann sich aber, ebenso wie Bewegung und Ernährung, auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Wie häufig ist ein Lipödem? Wer ist betroffen?

Die Lipödem-Erkrankung betrifft nahezu ausschließlich Frauen, auch schlanke. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie leiden allein in Deutschland schätzungsweise 500.000 bis zu einer Million Frauen an einem Lipödem.

Diese Zahl ist unter Umständen jedoch noch höher, da die Krankheit besonders im Anfangsstadium häufig nicht erkannt und zunächst für eine normale Gewichtszunahme gehalten wird.

Auch Männer können an einem Lipödem erkranken, dies ist aber nur selten der Fall.

Wie erfolgt die Lipödem-Diagnose?

Bisher stehen keine Laborwerte oder bildgebende Verfahren zur Verfügung, mithilfe derer die Ärzte ein Lipödem feststellen können. Der Arzt stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch mit der Patientin und eine körperlich Untersuchung.

Welche Stadien gibt es beim Lipödem?

Die krankhafte Fettverteilungsstörung verläuft chronisch und fortschreitend. Sie erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Ärzte unterscheiden in der Regel zwischen drei Lipödem-Stadien, die wie folgt gekennzeichnet sind:

Stadium 1: Hier bildet sich zunächst die sogenannte Orangenhaut, wobei die Hautoberfläche bis auf leichte Dellen noch relativ glatt ist. Das Unterhautfettgewebe ist regelmäßig verdickt.

Stadium 2: Im zweiten Stadium verdickt das Unterhautgewebe weiter und es bilden sich Knötchen. Die Hautoberfläche ist unregelmäßig und weist bereits größere Dellen auf. Zudem nimmt der Umfang der betroffenen Stellen (z. B. Beine) zu.

Stadium 3: Die Knötchen im Gewebe sind nun sehr grob und die Hautoberfläche extrem dellig. Daneben bilden sich große Hautlappen und Fettwülste.

Je weiter das Lipödem voranschreitet, desto stärker verändern sich die Hautoberfläche, die Unterhaut sowie das weitere Gewebe. Gelangt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe und lagert sich ein, können Ödeme entstehen.

In einigen Fällen bildet sich im weit fortgeschrittenen Stadium ein zusätzliches Lymphödem. Dann nämlich, wenn das übermäßige Fettgewebe auf das Lymphsystem drückt und den Abtransport der Lymphflüssigkeit erschwert.

Von einem „sekundären Lymphödem“ sprechen Mediziner, wenn sich auch an Hand- bzw. Fußrücken Ödeme bilden. Dabei spielt, anders als beim Lipödem als solchem, starkes Übergewicht eine Rolle. Deshalb ist die Einordnung dieses sogenannten Lipo-Lymphödems als „Lipödem Stadium 4“ umstritten.

Wie lässt sich ein Lipödem konservativ behandeln?

Im Fall eines Lipödems zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome wie Schwellung, Dellen und Schmerzen zu lindern.

Dies geschieht zunächst mittels einer konservativen Therapie, bestehend aus manueller Lymphdrainage, Kompressionstherapie und Hautpflege. Auch Bewegung und eine gesunde Ernährung sind wichtige Faktoren der Lipödem-Behandlung. Denn bestehendes Übergewicht kann die Symptomatik verschlimmern.

Die wohl effektivste Lipödem-Therapie ist jedoch ein chirurgischer Eingriff mittels Fettabsaugung (Liposuktion).

Wie läuft eine Fettabsaugung ab?

Als Standard der Fettabsaugung gilt die Tumeszenztechnik oder auch Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA). Vor der Absaugung schwemmt der Chirurg das Gewebe mit einer speziellen Flüssigkeit auf, um die Fettzellen zu lockern und die Blutungsneigung zu verringern.

Während der etwa einstündigen Einwirkzeit saugen sich die Fettzellen schwammartig voll. Dann saugt der Chirurg das Fett über Kanülen ab. Dazu setzt er winzig kleine Hautschnitte.

Die Fettabsaugung erfolgt in der Regel schonend in örtlicher Betäubung, gegebenenfalls kombiniert mit einem sogenannten Dämmerschlaf. Manchmal ist aus medizinischer Sicht eine Vollnarkose angezeigt. In den meisten Fällen sind mehrere Eingriffe notwendig.

Welche Komplikationen können bei einer Fettabsaugung auftreten?

Wie bei jeder Operation können Komplikationen wie Schwellungen, kleinere Nachblutungen, Kreislaufprobleme und Blutergüsse auftreten.

Zudem kann die Patientin oder der Patient allergisch auf die Tumeszenzlösung reagieren.

Selten treten größere Komplikationen auf wie Infektionen, Dellenbildungen oder Blutgerinnsel (Thrombosen).

Zu den spezifischen Komplikationen nach einer Liposuktion gehören vorübergehende Taubheitsgefühle, da Hautnerven während der Operation irritiert werden können.

Bei asymmetrischem Ergebnis und auch bei Dellen kann der Facharzt das Ergebnis korrigieren. Allerdings wird er damit etwas warten: Das endgültige Endergebnis der Fettabsaugung ist erst nach einigen Monaten sichtbar.

Was kostet eine Fettabsaugung?

Wie viel eine Liposuktion zur Behandlung eines Lipödems kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem davon, wie viele Operationen notwendig sind und an wie vielen bzw. welchen Körperstellen Fett abgesaugt werden soll.

Der behandelnde Chirurg fertigt einen auf jeden individuellen Fall maßgeschneiderten Behandlungsplan an, auf dessen Grundlage er die Kosten für die Liposuktion kalkuliert. Dabei ist zu beachten, dass die gesetzlichen Krankenkassen in Stadium I und Stadium II die Kosten für die Operationen nicht übernehmen. Dies ist erst ab Stadium III möglich.

Was sollte vor einer Lipödem-Operation bedacht werden?

Betroffene müssen unter Umständen nicht nur die Kosten der Operation selbst tragen, sondern gegebenenfalls auch die Folgekosten, wenn Komplikationen auftreten.

Denn gesetzliche Krankenkassen können eine Beteiligung von ihren Versicherten verlangen oder die Zahlung von Behandlungskosten sogar ganz verwehren, wenn sie durch Komplikationen infolge medizinisch nicht notwendiger ästhetischer Operationen entstehen. Dazu gehört auch die Selbstzahler-Liposuktions-OP zur Lipödem-Therapie.

Mit unserer Folgekostenversicherung lipoprotect können sich Patientinnen und Patienten vor diesen hohen finanziellen Risiken schützen.